Uwe Bolls Bollflix – Der Streaming-Markt kriegt eine gescheuert


Uwe Boll nimmt den Kampf auf
© Markus Prosswitz/Netflix
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.

Eigentlich hat der Streaming-Markt momentan ja ganz andere Probleme. Er hat wahrlich schon stabilere Zeiten gesehen. Bislang war das herkömmliche Fernsehen das Establishment und Streaming die Revolution. Das hat sich spätestens in diesem Sommer geändert, als die ersten Konkurrenten (Watchever) aus dem Markt gedrängt wurden, der Neoliberalismus also knallhart seine Ellbogen ausfuhr. Amazon Video hingegen wächst sogar etwas zu schnell, allzu entspannt möchte man sich das gar nicht angucken. Außerdem macht die generöse Trial-and-Error-Strategie, mit der Netflix sogar Tieffliegern wie Flaked eine zweite Staffel spendiert, uns Beobachtern Sorgen, dass sich da im Hintergrund irgendwas gehörig aufbläht. Und jetzt auch noch das.

"Fuck the System." Das ist der Untertitel der Rampage-Trilogie von Uwe Boll, deren dritter Teil es nicht in die Kinos schaffte, weil kein Verleiher ihn verleihen wollte. Fuck the System, genau das hat Uwe Boll gerade mit dem Streaming-Markt vor. Kurz mal zu Uwe Boll: Wenn Uwe Boll verrückt klingende Dinge sagt, die niemand ernst meinen kann, meint er sie in der Regel ernst. Das war so, als er seine fiesesten Kritiker zu einem Boxkampf herausforderte und diese später tatsächlich bei einem aufwendigen Box-Event auf die Matte schickte. Und das ist auch jetzt wahrscheinlich nicht anders, da der Ex-Regisseur seinen eigenen Streaming-Dienst ankündigte. Bollflix heißt die Seite und sie soll vornehmlich solche Boll-Filme zeigen, derer sich kein Verleiher erbarmen mochte, zum Beispiel eben Rampage 3: President Down. In einer Woche geht Bollflix online und dann vertreibt Boll seine Filme im Selbstverlag. Das muss man sich mal geben: Uwe Boll pisst dem Streaming-Establishment aus Amazon und Netflix und eigentlich der ganzen Filmwelt ans Bein. Um der seine Werke unter die Nase zu reiben, ist er zu allem bereit. Hinsehen muss man halt nicht und damit wäre auch wieder alles beim Alten.


Trotzdem setzt Uwe Boll mit seinem Bollflix diesem wilden Streaming-Sommer die Krone auf. Auf der Ankündigungsseite steht warnend: Bollflix is coming SOON und dann ein bedrohlicher Countdown. Tick-Tack. Tick-Tack. „Da kann man alle meine Filme sehen“, schreibt Boll auf seiner Facebook-Seite. „Klasse, dann kann ich alle Filme nachholen, die ich noch nicht gesehen hab!“, denkt man da natürlich spontan, und das schreibt dann auch jemand in den Kommentaren darunter. Zusammen mit Pantaflix, dem nicht minder eitlen Streaming-Dienst von Matthias Schweighöfer, wird Uwe Boll dem Streaming-Establishment Feuer unterm Hintern machen. Das könnte das neue Ding unter Filmemachern werden: Ein eigener Streaming-Dienst anstelle eines eigenen Restaurants, wie es Uwe Boll in Vancouver natürlich schon eingerichtet hat.

Netflix ist nur so cool wie sein Aktienstand hoch ist

Etwas unruhiger ist es im VoD-Land sowieso schon geworden, gerade im Laufe des Sommers. Der Markt wird breiter, Bollflix ist da nur einer von vielen aufstrebenden Diensten. Bollflix stürzt sich in ein Haifischbecken. Netflix machte dieses Jahr erstmals seine Anleger nicht glücklich. Anstelle der angepeilten 2,5 meldeten sich nur 1,7 Millionen Kunden neu an, worauf Netflix' Aktien plötzlich im Vergleich zum Dezember 2015 mehr als ein Drittel günstiger zu haben waren. Und dann erhöhte Netflix auch noch die Preise für Teile seines Abo-Sortiments. Boa ey, menno! Aber gerade der Aktien-Einsturz sorgte für feixende Gesichter bei den Kabel-Anbietern. Der CEO von Liberty Global, des größten Breitband-Kabelnetzbetreibers außerhalb der Vereinigten Staaten, rieb sich die Hände und streute am vergangenen Mittwoch ordentlich Salz in die kaum verheilte Netflix-Wunde. "Netflix has lost it's cool factor", erklärte er dem Guardian. Der Coolness-Faktor der Streaming-Technologie sei verflogen, auch weil Sky, HBO und im Grunde alle großen Sender mittlerweile eigene VoD-Dienste haben oder planen. Man könnte auch sagen, alle Sender sind jetzt genauso cool wie Netflix. Nur ist es kaum denkbar, dass sich geflügelte Wörter wie ZDF-and-Chill verbreiten.

Uwe Boll is creating a Netflix-style service for his films because deep down, we deserve this (entertainment.ie)

Bollflix-and-Chill ist da schon wahrscheinlicher. Neben Uwe Boll-Filmen wie Far Cry soll dort auch exklusiver Content angeboten werden. Der Streaming-Markt diversifiziert sich weiter. Ein persönlich von Uwe Boll kuratiertes Film-Sortiment ist da gar nicht so abwegig. Nur frischer Boll-Content wird nicht hinzukommen, schließlich hatte Boll im Mai bekanntgegeben, keine Filme mehr produzieren zu wollen, um sich auf sein Restaurant in Vancouver zu konzentrieren. Die Eigenproduktionen, die Netflix erst zu dem stolzen Streaming-Anbieter machten, als den wir ihn heute kennen, wird es bei Bollflix also eher nicht geben.

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