MPAA - So ist der Jugendmedienschutz in den USA organisiert


Jugendmedienschutz in den USA
© Warner Bros. / Columbia
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Die Motion Picture Association of America (MPAA) ist ein Verband, der sich aus den sechs großen amerikanischen Filmproduktionsgesellschaften Paramount Pictures, Warner Bros., Sony Pictures Entertainment, die Walt Disney Motion Pictures Group, Universal Studios und 20th Century Fox zusammensetzt. Die MPAA vertritt die Interessen der gesamten amerikanischen und weltweiten Film- und Fernsehindustrie. Hierzu betreibt sie in deren Namen Lobbyismus. Zusätzlich vergibt die Organisation ähnlich wie die deutsche FSK Empfehlungen für Filme, die als FSK-Altersfreigaben wichtige für Kinobesuche und DVD-Kaufentscheidungen sind. Im Englischen werden sie als Ratings bezeichnet. Welche verschiedenen Ratings es gibt und was diese bedeuten, haben wir an anderer Stelle schon einmal für euch aufgeführt und erläutert.

Die Geschichte der MPAA

1922 wurde die MPAA, die damals noch Motion Picture Producers and Distributors Association of America (MPPDA) hieß, von den Chefs der großen Hollywood-Filmstudios gegründet. Sie sollte das Image der Filmindustrie in der Gesellschaft aufwerten und gleichzeitig auf den damaligen Aufschrei gegenüber staatlicher Zensur von Filmen reagieren. Ihr Präsident William Harrison Hays entwickelte ein System der Selbstzensur, das als Hays Code oder Production Code bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg Bestand hatte. 1945 gab Hays' Nachfolger Eric Johnston als Präsident der MPAA ihren heutigen Namen.

In den 1960er Jahren musste der Hays Code aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung überarbeitet werden. Um darauf zu reagieren, wurde er zunächst modifiziert, um schließlich unter der Leitung von Jack Valenti, der 1966 sein Amt antrat und bis 2004 Präsident der MPAA blieb, abgeschafft zu werden. 1968 etablierte Valenti stattdessen das bis heute verwendete System. In diesem geht es darum, den Gedanken der künstlerischen Freiheit zu wahren und die Eigenverantwortung der Eltern zu berücksichtigen.

Von 2004 bis 2010 bestand für die MPAA das hauptsächliche Aktionsfeld neben der Vergabe von Film-Ratings aus dem Vorgehen gegen Urheberrechtsverletzungen, die sich aufgrund des technologischen Fortschritts im Internet durch illegale Verbreitung von Filmmaterial verbreiteten. Dabei tritt die MPAA für strenge Gesetze zum Schutz von Urheberrechten ein und betreibt umfangreiche Informations- und Abschreckungskampagnen gegen Urheberrechtsverletzungen. Aktuell ist der ehemalige Staatssekretär im US-Außenministerium Charles Rivkin Präsident der MPAA.

Das Bewertungsverfahren der MPAA

Um Bewertungen unabhängig von den Interessen der Filmproduzenten durchzuführen, erfolgt diese anstatt durch die MPAA durch eine Tochterorganisation namens Classification and Rating Administration (CARA). Die CARA bewertet alle bei ihr eingereichten Filme, darunter auch ausländische. Die meisten Filmstudios reichen ihre Produktionen zur Bewertung ein, da die Einstufung eines Films nötig ist, damit dieser von der Mehrheit der amerikanischen Kinos gezeigt wird.

Beim Bewertungsverfahren wird mit einem Urteil eines Gremiums begonnen, das aus 8 bis 13 Mitgliedern besteht. Diese sind bei der CARA in Vollzeit beschäftigt und müssen verschiedene Bedingungen erfüllen. Sie dürfen zuvor nicht in der Filmindustrie gearbeitet haben und müssen mindestens ein Kind im Alter zwischen 5 und 17 Jahren besitzen. Hierdurch soll die Bewertung der Mehrheitsmeinung durchschnittlicher amerikanischer Eltern entsprechen. Zu Beginn des Bewertungsverfahrens sieht sich jedes Mitglied den zu bewertenden Film alleine an. Auf einem Formular wird notiert, welche Bewertung nach Meinung des Mitglieds aus welchen Gründen angemessen ist. Im Anschluss daran wird mit allen anderen Mitgliedern gemeinsam diskutiert und sollte keine Einigkeit bestehen, wird die Altersempfehlung letztlich über eine Abstimmung festgelegt.

Bei der Altersempfehlung berücksichtigen die Bewerter die im Film vorkommende Ausdrucksweise, Sexualität, Gewalt, Drogenkonsum und andere Faktoren, die für durchschnittliche Eltern als wichtig erachtet werden. Ist das einreichende Filmstudio mit der Bewertung des Films nicht einverstanden, so kann es sich an ein Berufungsgremium wenden. Dieses überprüft die Bewertung noch einmal. Das Berufungsgremium besteht aus Vertretern verschiedener Bereiche der Filmindustrie. Die dürfen die Bewertung allerdings nur ändern, sofern eine offensichtliche Unsachlichkeit vorliegt. Nur etwa 10 der jährlich etwa 900 durch die CARA vorgenommenen Filmbewertungen werden angefochten und nur in ca. 3 Fällen wird die Bewertung geändert. Ähnlich wie bei der FSK kommt es dagegen häufiger vor, dass Filmstudios beanstandete Szenen aus einem Film im Vornherein selbst herausschneiden und diesen dann erneut zur Bewertung einreichen.

Unterschiede zwischen der MPAA und der FSK

Inhaltlich lassen sich die Bewertungen der MPAA ungefähr mit den deutschen Altersfreigaben ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren vergleichen. Im Unterschied zur FSK dürfen jedoch alle Filme mit Ausnahme der NC-17-Freigabe von Kindern und Jugendlichen jeglichen Alters angesehen werden. Höchstens die Begleitung durch Erwachsene wird vorgeschrieben, sollte es sich um ein R-Rating handeln, oder bei PG-/PG-13-Ratings empfohlen.

Das große moviepilot Themenspecial: FSK, Index, Zensur - Ist das noch zeitgemäß?

Eine Altersfreigabe ist in den USA nicht gesetzlich vorgeschrieben. Ökonomischer Druck führt allerdings oftmals dazu, dass die meisten Filme bevorzugt mit einem R-Rating oder niedriger veröffentlicht werden sollen. NC-17-Filme werden in Amerika nur in wenigen Kinos gezeigt und von vielen Medien gar nicht erst beworben. Im Vergleich zu Deutschland führen Schimpfwörter, Nacktheit und Sex aufgrund unterschiedlicher Moralvorstellungen deutlich schneller zu einer höheren Freigabe. Gewaltdarstellungen werden im Vergleich zur FSK hingegen tendenziell weniger streng beurteilt.

Quelle:
Motion Picture Association of America - Wikipedia

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