In Erinnerung an Robby Müller: 5 Filme, die ihr unbedingt sehen solltet


Dead Man von Jim Jarmusch
© Arthaus
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the gaffer Jenny Jecke
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Redakteurin bei protechnonews.info, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Nudel-Restaurants in Hongkong spielen.

Giftmüll-Grün leuchtet nicht nur das Auto im 80er-Jahre-Kultfilm Repo Man, auch auf die Menschen in Paris, Texas scheint dieses Licht urbaner Fäulnis. Unvergesslich geisterhafte Bilder erschuf der niederländische Kameramann Robby Müller bei seiner Zusammenarbeit mit einigen der großen Autorenfilmer der vergangenen Jahrzehnte. Seinen ersten Film drehte er mit Regiedebütant Wim Wenders, für Jim Jarmusch fotografierte er Klassiker wie Dead Man, Down by Law und Ghost Dog. Zwischen Hollywood (Leben und Sterben in L.A.) und Europa (Breaking the Waves) fiel Robby Müller durch seine dynamische Handkameraarbeit auf, die in der kommenden Dokumentation Living the light - Die Bilderwelten des Robby Müller thematisiert wird. Gestern ist Robby Müller im Alter von 78 Jahren nach langer Krankheit in Amsterdam gestorben. Das berichtet Het Parool.

Robby Müller zwischen Hollywood und Europa

Geboren wurde Robby Müller 1940 auf Curaçao, einer Insel der Niederländischen Antillen. 13 Jahre später zog es die Familie nach Amsterdam, wo Müller an der hiesigen Filmakademie studierte. 1970 folgte schließlich sein Filmdebüt Summer in the City, inszeniert vom Spielfilmneuling Wim Wenders. Eine fruchtbare Partnerschaft sollte beide binden, von Der amerikanische Freund hin zu Bis ans Ende der Welt, dessen Überschwang auch von Müllers fliehender Kameraarbeit herrührt. Mit deutschsprachigen Regisseuren wie Edgar Reitz und Hans W. Geißendörfer arbeitete Müller, er drehte je zwei Filme mit Peter Bogdanovich (Sie haben alle gelacht) und Barbet Schroeder (Barfly), bevor ihn ab 1986 mit Down by Law eine lange kreative Partnerschaft mit Jim Jarmusch verband. Eine seiner letzten Arbeiten, bevor sich Robby Müller krankheitsbedingt aus dem Filmgeschäft zurückzog, war die Kunstinstallation Carib’s Leap von Steve McQueen aus dem Jahr 2002.

Anlässlich des Todes von Robby Müller wollen wir euch einige jener Filme vorstellen, die Kinoliebhaber unbedingt gesehen haben sollten.

Der amerikanische Freund

In Der amerikanische Freund verlegt Wim Wenders den Hauptschauplatz der Romanvorlage Ripley’s Game von Patricia Highsmith von Fontainebleau nach Hamburg. Dessen herben Charme fängt Kameramann Robby Müller mit angemessen trüben Farben ein, für die er sich zusammen mit Wenders unter anderem die Werke des Malers Edward Hopper zum Vorbild nahm. Die Krimi-Story um einen unbescholtenen Bürger, der zu einem Auftragsmord gebracht werden soll, ist zudem mit jeder Menge Verweisen auf die Filmgeschichte versetzt. So kündigt gleich der Vorspann an, dass etliche der Rollen von Regisseuren wie Nicholas Ray und Samuel Fuller gespielt werden. (CD)

Paris, Texas

Das Roadmovie Paris, Texas zählt zu den absoluten Highlights in der Karriere von Wim Wenders und das natürlich auch aufgrund der herausragenden Kameraarbeit von Robby Müller. Exemplarisch hierfür stehen zwei längere Szenen, in denen sich die voneinander entfremdeten Hauptfiguren Travis (Harry Dean Stanton) und Jane (Nastassja Kinski) via Zimmertelefon in einer Bordellkabine unterhalten, getrennt von einer Spiegelwand - mehr Poesie geht nicht. Insgesamt kommt Paris, Texas ebenso farbenfroh wie melancholisch daher, was einen magischen inneren Widerspruch markiert, der perfekt zur bittersüßen verhinderten Liebesgeschichte passt, die jener 1984 erschienene Klassiker der Filmgeschichte erzählt. Gewürdigt wurde Robby Müllers Beitrag damals unter anderem durch die Auszeichnung mit dem Deutschen Kamerapreis in der Rubrik Kamera Spielfilm. (JU)

Breaking the Waves und Dancer in the Dark

Enorm trist und doch absolut mitreißend - so in etwa lassen sich die Filme aus Lars von Triers so genannter Golden Hearts-Trilogie beschreiben. Bei zwei von ihnen, nämlich Breaking the Waves und Dancer in the Dark, zeichnete Robby Müller für die Kamera verantwortlich. Ihm also ist der triste, ultrarealistische Look der Werke zu verdanken, mit deren nur scheinbar unbestechlichem Naturalismus mitunter allerdings durch etwa visuelle Überhöhungen (die Himmelsglocken in Breaking the Waves) oder den Gesang der Protagonistin (Dancer in the Dark) gebrochen wird. Die naive, unschuldige Aura der Hauptdarstellerinnen Emily Watson und Björk fing Müller jeweils perfekt ein, was zusätzlich zur emotionalen Wucht der Filme beiträgt. Wohl kaum jemand sonst hätte von Triers Vision auf diese Weise umsetzen können. (JU)

Dead Man

Dead Man von Jim Jarmusch ist ein (Anti-)Western, der sämtliche Ideale des Genres mit sich zu Grabe trägt. Johnny Depp spielt die Hauptrolle des William Blake, der im Jahr 1876 nach Cleveland reist, um eine neue Stelle als Buchhalter anzutreten. Diese Reise wird zugleich zum existenziellen Trip, der den Protagonisten William Blake zum unfreiwilligen Outlaw in einer unbarmherzigen Zivilisation des Tötens und Sterbens werden lässt. Neben den melancholischen Gitarrenklängen von Neil Young wäre die eigentümliche Wirkung von Dead Man ohne die Bilder von Robby Müller unvorstellbar. Inszeniert ist der Film in kräftigem Schwarz-Weiß, das sämtlichen Objekten und Landschaften die Vertrautheit entziehen sollte. Zudem verzichtet der Kameramann auf Western-typische Aufnahmen breiter Panoramen und fängt die Reise der Hauptfigur vielmehr als reduzierte Abfolge einzelner Schauplätze ein, die dem eingeschränkten Blickwinkel von Blake angepasst sind. (PR)

24 Hour Party People (2002)

Robby Mülllers letzte Spielfilmarbeit erschien 2002. 24 Hour Party People von Michael Winterbottom widmet sich der realen Geschichte der blühenden Musikszene im Manchester der späten 70er und 80er Jahre. Mit Manager Tony Wilson (Steve Coogan) streifen wir durch die Clubs jener Jahre, in denen sich Joy Division, die Happy Mondays und andere ihre ersten Sporen verdient. Für Winterbottom üblich herrscht ein improvisatorischer Geist, der sich in der jagenden Kamera von Robby Müller niederschlägt, bis einem die Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion in dem selbstreferenziellen Werk schlicht nicht mehr interessiert. Es geht geradewegs hinein ins kreative Chaos und der Film wird diesem legendären Popkultur-Trubel gerecht. (JJ)

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