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Die verflixte letzte Staffel

Das schwierige Ende - Warum sich viele Serien mit dem Abschluss so schwertun


Sherlock
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Mein Geschwafel zum Thema Serien und Filme.

Bevor ich beginne: ob eine Serie ein gutes oder schlechtes Ende gefunden hat, liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Sollte ich also gleich ein paar Beispiele für ein schwächeres oder schlechtes Serienende nennen, muss das nicht von jedem so empfunden werden. Auch ich mag so manche Serienenden, die gefühlt sonst kaum jemand mag. Fühlt euch also bitte nicht attackiert, wenn ich eventuell etwas Schlechtes über eure Lieblingsserie schreibe ;)

Welche Ursachen könnte es also für das Abschlussproblem vieler Serien geben?

Zu viel des Guten

Es ist wohl die häufigste Ursache: die Serie hat sich nach vielen Staffeln totgelaufen, es gibt eigentlich nichts mehr Neues zu erzählen und die Handlungen scheinen sich nur noch zu wiederholen. Folglich sinken dann auch meist die Einschaltquoten, was widerum zur Folge hat, dass die Serie vom TV Sender nicht mehr verlängert wird. Plötzlich steht fest: es gibt nur noch eine Staffel und das Ganze, was zuvor schon mehr schlecht als recht vor sich hindümpelte, soll nun ein möglichst gutes Ende finden. Extrem schwierig, denn die Haupthandlung wurde bereits erzählt, neue Ideen sind Mangelware. Innerhalb einer Staffel noch mal wirklich Spannung aufzubauen ist so kaum noch möglich. Besonders Serien, die pro Staffel immer mindestens 20 oder mehr Folgen haben, laufen Gefahr zum Ende hin in der Wiederholungsschleife zu landen. Die letzte Staffel besteht dann oft aus vorhersehbaren Folgen, die vor allem durch ihre zahlreichen Referenzen zu früheren Staffeln geprägt sind. Ich werde dann oft ganz nostalgisch und denke wehmütig an die starken Anfänge dieser Serien zurück, während das Ende eher einer müden Abschiedsfeier gleicht.

Bei sinkenden Einschaltquoten droht dann auch der Sender oder Streaming Dienst, die Serie nach der nächsten Staffel einzustelllen. Ein solch erzwungenes Ende bringt dann zwar das längst überfällige Ende, inhaltlich überzeugen kann so eine "Zwangsmaßnahme" dann normalerweise aber nicht.

Das vorschnelle Ende

Auch das Gegenteil kann für ein schwaches Ende verantwortlich sein: zu wenige Folgen, weil die Serie aufgrund von zu niedrigen Einschaltquoten beendet wurde oder weil aus dem gleichen Grund für die letzte Staffel nicht mehr so viele Folgen bewilligt wurden. Man kann sich glücklich schätzen, wenn Serien, bei denen vorschnell der Stecker gezogen wurde, überhaupt noch eine einigermaßen vernünftige Abschlussstaffel zustande gebracht haben. Dennoch, hier wäre oft so viel mehr möglich gewesen, hätten die Sender einer neuen Serie doch etwas mehr Zeit gegeben. Andere Serien wiederum wird plötzlich die Pistole auf die Brust gesetzt, weil die Einschaltquoten nicht so hoch wie erwartet waren (was, wie wir alle wissen, nicht unbedingt etwas mit geringer Qualität zu tun hat). Die Serie soll dann nicht nur mit der nächsten Staffel enden, sondern bekommt dann auch noch weniger Folgen bewilligt.

So ärgere ich mich immer noch darüber, dass die hervorragende Serie Person of Interest vom Sender CBS nach fünf Staffeln beendet wurde und die letzte Staffel dann auch noch nur 13 Folgen statt den gewohnten 22 bzw. 23 bekam. Die Macher haben das zwar dann noch gut hinbekommen, dennoch trauere ich auch hier dem verschenkten Potenzial der fünften und letzten Staffel hinterher.

Das Ende einer Serie sollte von den Showrunnern bestimmt werden, nicht vom Sender oder Streamingdienst. Lasst den kreativen Köpfen hinter einer Serie mehr Freiheiten und stampft eine Serie nicht gleich ein, nur weil die neuste Staffel nicht ganz so hohe Einschaltquoten hatte wie die letzte.

Personalwechsel

Ein weiteres Problem, dass oft zu einer schwächeren Abschlussstaffel führt, ist das Ausscheiden eines oder mehrerer Hauptdarsteller. Die Gründe können vielfältig sein - Streit mit den Produzenten, höhere Gehaltsforderungen oder der Wunsch der Darsteller nach neuen Perspektiven. Während Nebendarsteller normalerweise noch vergleichsweise problemlos aus einer Serie herausgeschrieben werden können, funktioniert das bei Hauptcharakteren eher weniger. Die Story der Serie dreht sich um genau diese Figuren und sie sind ein fester Bestandteil der Serie, den man nicht so einfach ersetzen kann.

Mag ein Hauptdarsteller nicht mehr, führt dies oft zu einem vorschnellen Ende, dass dann meist nicht überzeugen kann, weil die Hauptfigur/Hauptfiguren fehlen. Oft versuchen die Serienmacher die Show auch nach dem Aussteigen der Hauptdarsteller weiterzuführen, müssen dann aber nach stark sinkenden Quoten kapitulieren. Der Sender setzt die Serie ab, ein schnelles Ende muss her, dass dann meist eher durchwachsen ist.

Auch Chris Carter, Serienschöpfer von Akte X, musste das einsehen, als er versuchte die Serie ohne Hauptdarsteller David Duchovny fortzusetzen. Aber Akte X ohne Fox Mulder - das funktioniert einfach nicht. Obwohl Robert Patrick als John Doggett seine Sache gut gemacht hatte, konnte sein Charakter nicht über das Fehlen von Fox Mulder hinwegtäuschen. Für Staffel 9 fuhr auch Gillian Anderson als Dana Scully ihr Engagement für die Serie herunter. Wenig überraschend fielen weiter die Quoten und die Serie wurde nicht verlängert. Das damalige Ende von Akte X mit Staffel 9 war gerade noch so in Ordnung, aber weit unter dem was möglich gewesen wäre (das Revival aus dem Jahr 2016 lasse ich jetzt mal außen vor, weil es zu dem damaligen Zeitpunkt keine Rolle spielte).

Den Faden verloren

Bei dem Versuch eine neue, übergreifende Handlung zu entwickeln, schießen manche Serien über das Ziel hinaus und "verheddern" sich am Ende in zu vielen Handlungssträngen. Bei dem Versuch innerhalb der letzten Staffel dann alle angefangenen Handlungen wieder zusammenzuführen, entsteht so meist ein wildes Durcheinander, das mit der eigentlichen Serie nicht mehr viel zu tun. Hat die Geschichte einmal den roten Faden verloren, ist es schwierig wieder in die Spur zu kommen, und wenn das vorher nicht funktioniert hat, funktioniert es mit Sicherheit nicht in der letzten Staffel, die die Geschichte sinnvoll beenden soll.

Leider verfahren sich oft die besten Serien, was dann spätestens in der letzten Staffel zum Problem wird. Auch die Serie Sherlock hat sich am Ende leider ziemlich "verfahren", was dann in der 4.Staffel zu großen Schwierigkeiten führte. Ich weiß, Sherlock ist noch nicht offiziell beendet, aber Staffel 4 fühlte sich doch sehr nach Abschluss an und alle Verantwortlichen wollen momentan ja zumindest mal eine längere Pause einlegen. Die Showrunner versuchten innerhalb von einer Staffel, mit nur drei Folgen wohlgemerkt, zahlreiche Handlungsstränge zusammenzuführen und gleichzeitig eine Art Abschluss zu finden. Wenig überraschend funktionierte das über weite Strecken nicht und ich trauerte, mal wieder, dem verschenkten Potenzial hinterher.

Nicht immer sind es jedoch die Showrunner, die sich zu viel vornehmen und am Ende den roten Faden verlieren. Manchmal ist es auch die überzogene Einmischung von TV Sendern und/oder Produzenten, was am Ende zu einer chaotischen letzten Staffel führt. Wenn eine Serie beispielsweise eine neue übergreifende Handlung beginnt, dann aber aufgrund schwächerer Quoten plötzlich nur noch um eine Staffel verlängert wird, kann in der letzten Staffel ebenfalls der oben beschriebene Effekt eintreten. Ein solches vorschnelles Ende, wie weiter oben bereits erwähnt, kann auch ein "Verheddern" der Handlung zur Folge haben, wenn die Macher versuchen, eine Handlung, die eigentlich auf mehrere Staffeln ausgelegt war, schnell in der letzten Staffel abzuschließen und dabei den roten Faden verlieren.

Das Ende ist nie einfach

Eine Serie ist schnell kritisiert, aber was lässt sich besser machen? Wenn mir die letzte Staffel einer Serie nicht gefällt, denke ich immer darüber nach, was ich anders gemacht hätte. Um ehrlich zu sein, fällt mir dabei stets auf, wie unglaublich schwierig es ist einer Serie einen guten und überzeugenden Abschluss zu geben.

Die letzte Staffel soll alles zu Ende bringen, Handlungsstränge zusammenführen, eine übergeordnete Story beenden. Gleichzeitig soll die Staffel aber auch kein reiner Abgesang werden. Viele Serien verlieren sich bei der letzten Staffel in zahlreichen Referenzen und Anspielungen auf frühere Ereigenisse der Serie, während die Story der aktuellen, letzten Staffel zu kurz kommt. Bezüge zu früheren Staffeln gehören aber zu einer Abschlussstaffel auch irgendwie dazu. Ich stelle es mir sehr schwer vor hier als Showrunner einen Mittelweg zu finden.

Ein Problem ist auch, dass Cliffhanger oder umfassende neue Handlungsbögen nicht mehr wirklich möglich sind - es ist ja die letzte Staffel. Auch deshalb kann die Story dann oft nicht mit der früherer Staffeln mithalten, die in dieser Hinsicht noch aus dem Vollen schöpfen können.

Und dann sind da ja noch ungeduldige TV Sender, die Serien gern schnell absetzen, wenn die Quoten nicht genau ihren Erwartungen entsprechen. In diesem Fall kann man den Showrunnern oft nicht die Schuld an einer schwächeren letzten Staffel geben. Oft wurde schließlich mit mehreren Staffeln geplant und eine umfangreiche Story lässt sich einfach nicht innerhalb von einer Staffel perfekt abschließen.

Mir ist bewusst, dass Einschaltquoten nicht völlig egal sind, aber ich würde mir dennoch wünschen, dass man den Serienmachern von Seiten der TV Sender mehr Freiheiten lässt. Setzt einer vielversprechenden und guten Serie doch nicht gleich die Pistole auf die Brust, weil eine Staffel mal geringere Einschaltquoten hatte. Gebt einer Serie Zeit zur Entwicklung. Nur so kann Qualität entstehen und gehalten werden. Das bei "endlos Serien", die tatsächich stark an Zuschauern und Qualität verloren haben, irgendwann der Stecker gezogen wird, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber ansonsten sollten kreative Freiheiten und Qualität im Vordergrund stehen, nicht nur die Quoten.

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